Rund um den Energieausweis

1.  Welchen Energieausweis benötige ich für mein Gebäude?
2.  Energieausweis vorlegen
3.  Kopie des Energieausweises
4.  Falsch ausgestellte Ausweise
5.  Konsequenzen der Ergebnisse im Energieausweis
6.  Alte Energieausweise
7.  Energieausweise öffentlich machen
8.  Tipps für Vermieter und Verkäufer
9.  Tipps für Mieter und Käufer
10. Warum soll ich mein Haus sanieren?
11. Was ist im Vorfeld der Sanierungsarbeiten zu tun
12. In welcher Reihenfolge sollte saniert werden?
13. Was verstehe ich unter Nachrüstpflichten und was beinhalten sie?
14. Wann sind diese Nachrüstpflichten fällig?
15. Welche Alternative zur bestehenden Heizanlage habe ich?
16. Wo erfahre ich mehr über Fördermöglichkeiten.


1. Welchen Energieausweis benötige ich für mein Gebäude?



2. Energieausweis vorlegen - Wann und wem?



Eigentümer sind verpflichtet, den Energieausweis auf Verlangen des Miet- oder Kaufinteressenten vorzulegen. Sie sind jedoch nicht verpflichtet, den Energieausweis von sich aus ins Verkaufs- oder Vermietungsgespräch einzubringen. Es empfiehlt sich jedoch, den Ausweis den Interessenten möglichst frühzeitig vorzulegen. Am besten, Sie nehmen in den Kauf- oder Mietvertrag dann auch gleich einen Passus auf, in dem sie sich bestätigen lassen, dass der Energieausweis vorgelegt wurde. Denn der Eigentümer kann belangt werden, wenn er den Energieausweis dem Interessenten auf dessen Wunsch hin nicht vorlegt. Also: besser gleich beantragen und sorgfältig erstellen lassen, als sich später mit Bußgeldforderungen konfrontiert zu sehen.
3. Kopie des Energieausweises

Aus dem Recht zur Einsicht in den Energieausweis leitet sich kein Recht ab, eine Kopie des Ausweises ausgehändigt zu bekommen. Potenzielle Käufer oder Mieter können natürlich trotzdem danach fragen, allerdings ohne Garantie, dass ihrem Wunsch auch nachgekommen wird.

4. Falsch ausgestellte Ausweise

Werden beim Erstellen des Energieausweises die Vorgaben der EnEV nicht eingehalten, gilt dies als Ordnungswidrigkeit, die strafrechtlich verfolgt werden kann. Das gilt sowohl für vorsätzlich und für fahrlässig falsch ausgestellte Energieausweise, als auch für Ausweise, die von Energieberatern ohne entsprechende Berechtigung ausgestellt worden sind. Dabei sieht die EnEV Bußgelder von bis zu 15.000 Euro vor.

5. Konsequenzen der Ergebnisse im Energieausweis

Der Energieausweis soll ausschließlich zur Information für die Gebäudenutzer dienen. Auch wenn der reale Energieverbrauch eines Gebäudes deutlich von den Vergleichswerten im Energieausweis abweicht, kann hierdurch weder eine Mietminderung begründet noch ein Kaufpreis nachträglich angefochten werden. Auch die Modernisierungshinweise sind als reine Empfehlungen zu verstehen, die Umsetzung ist nicht verpflichtend. Rechtsstreitigkeiten zwischen Vermieter und Mieter aufgrund des Energieausweises sollen so vermieden werden.

6. Alte Energieausweise

Unabhängig vom Inkrafttreten der EnEV 2007 hatten Eigentümer auch vor dem 1. Juli 2008 schon die Möglichkeit, sich einen Energieausweis auf freiwilliger Basis erstellen zu lassen, um die energetische Qualität ihres Objektes zu dokumentieren. Wärmebedarfsausweise und Energiebedarfsausweise nach den vorherigen Verordnungen werden anerkannt. Sie behalten für zehn Jahre Gültigkeit, unabhängig davon nach welchem Verfahren sie ausgestellt wurden.

7. Energieausweis öffentlich machen

In Privathäusern muss der Energieausweis nicht ausgehängt werden. Bei öffentlichen Gebäuden verhält sich das ein bisschen anders: In Behörden, Rathäusern, Schulen oder Krankenhäusern mit mehr als 1.000 Quadratmetern Gesamtnutzfläche und regelmäßigem Publikumsverkehr, muss der Ausweis an einer für die Öffentlichkeit gut sichtbaren Stelle angebracht werden. Bei Gewerberäumen muss der Ausweis auf Nachfrage vorgezeigt werden.

8. Tipps für Vermieter und Verkäufer

1.    Energieausweis als Chance: Betrachten Sie den Energieausweis nicht als lästiges Übel, sondern als Chance für Ihre Immobilie. Bei Immobilien stehen die Qualität der Bausubstanz und der Wert des Gebäudes in ganz engem Zusammenhang. Doch um zu wissen, wie es um die Qualität des Gebäudes bestellt ist, und wo Verbesserungen angesagt sind, bedarf es einer genauen Analyse. Und genau hier setzt der Energieausweis mit seinen Sanierungsempfehlungen für eine bauliche und energetische Instandsetzung an
2.    Energieausweis als Marketing-Instrument: Bei Verkauf oder Vermietung ist der Energieausweis ein wertvolles Argument, das über den energetischen Zustand der Immobilie informiert. Er kann die Attraktivität bei der Vermietung Ihrer Immobilie steigern und als Marketinginstrument in Immobilienanzeigen dienen.
3.    Energieausweis steigert die Lebensqualität: Der Energieausweis hilft Lebensqualität zu steigern, weil er dazu beiträgt, den Energieverbrauch zu senken. Das macht Sie unabhängiger von künftigen Preisentwicklungen für Gas, Öl oder Strom. Außerdem bietet das Leben in einem energetisch modernisierten Haus hohen Wohnkomfort und ein angenehmes Wohnklima.

9. Tipps für Mieter und Käufer

1.    Notizblock und Stift bereithalten: Da Sie kein Anrecht auf eine Kopie des Energieausweises haben, sollten Sie sich etwas zu schreiben mitnehmen. So können Sie sich die wichtigsten Daten notieren und später mit den Daten anderer Objekte vergleichen.
2.    Energieausweis in die Wohnungssuche mit einbeziehen: Reagieren Sie vorrangig auf Immobilienanzeigen, in denen mit guten Energiewerten geworben wird. Hier können Sie sicher sein, dass der Verkäufer oder Ihr zukünftiger Vermieter um den energetischen Zustand der Immobilie Sorge trägt. Die Chance, dass Nebenkosten später zu einer zweiten Miete ausufern und auch die Belastung der Umwelt sind geringer. Eine etwas teurere Immobilie mit besseren Energiewerten zahlt sich auf Dauer aus, wenn Nebenkosten niedriger ausfallen oder Modernisierungsmaßnahmen nicht nötig werden.
3.    Energieausweis als Verhandlungsmittel einsetzen: Weniger gute Werte im Energieausweis können von potenziellen Käufern oder Mietern als Argument bei Preisverhandlungen eingesetzt werden. Fordern Sie vom Vermieter etwas weniger Kaltmiete, um die hohen Nebenkosten auszugleichen. Bieten Sie ihm an, eine Mieterhöhung in Kauf zu nehmen, sobald energiesparende Maßnahmen durchgeführt worden sind. Als Käufer können Sie versuchen, den Kaufpreis mit dem Argument zu drücken, dass Sie das gesparte Geld für die nötigen Modernisierungsmaßnahmen verwenden müssen.
4.    Modernisierungsfragen ansprechen: Vor allem als potentieller Mieter sollten Sie nach einfachen Modernisierungsmöglichkeiten fragen, die im Vorfeld oder beim Einzug durchgeführt werden könnten. Viele kleine Maßnahmen, wie etwa eine Bodendämmung im Erdgeschoss, können relativ kostengünstig durchgeführt werden. Vielleicht ist der Vermieter bereit, etwas zu investieren oder Ihnen zumindest einen Zuschuss zur Durchführung einer energiesparenden Maßnahme zu gewähren.

10. Warum soll ich mein Haus sanieren?

Der Wohlfühlfaktor in den eigenen 4 Wänden sollte möglichst hoch sein. Wohl fühlen heißt, angenehme Temperaturen und ein ordentliches Raumklima in der Wohnung zu haben.
Um dieses zu erreichen ist es notwendig, die Heizung oder den Ofen so zu betreiben, dass ihre Heizquelle die gewünschte Wärme, zur gewünschten Zeit zur Verfügung stellt.
Natürlich ist klar "Wo Wärme-Energie raus kommt, muss erst Brennstoff-Energie rein.", egal ob mit Gas, Öl, Strom, Holz oder Kohlen geheizt wird.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage "Was heize ich eigentlich alles mit meiner Wärmequelle".
Es ist nicht nur die Raumluft in der Wohnung die erwärmt wird, es sind vielmehr auch die Möbel, das Inventar und die angrenzenden Wände, welche sich aufheizen.
Der Hauptteil der Wärme strömt allerdings durch Fenster, Türen und ungedämmten Außenwände. Je undichter Fenster oder Türen und je dünner die Wände sind, desto schneller erfolgt der Wärmestrom zur Kaltseite eines Bauteils. Im Umkehrschluss ist aber auch zu bemerken, je dicker die Wände sind und je schlechter deren Wärmeleitfähigkeit ist, desto langsamer strömt die Wärme von innen nach außen. Somit kühlt sich der Wohnraum langsamer ab und man muss nicht so oft nachheizen.
Hier fällt uns gleich wieder ein, was wir im Physikunterricht in der Schule gelernt haben. Masse speichert!
Aus diesem Grund sollte nach Möglichkeit auch keine Innendämmung eingebaut werden, da leichte, vorgeblendete Baustoffe die Wärme nicht aufnehmen können.

Fazit: Nach einer Sanierung ist der Heizbedarf nicht mehr so hoch und man braucht somit auch nicht mehr soviel Brennstoff. Benötige man aber weniger Brennstoff, wird die Heizanlage auch nicht mehr ausgelastet und es könnte sogar eine kleinere Anlage mit einer geringeren Leistung ausreichen.

11. Was ist im Vorfeld der Sanierungsmaßnahmen zu tun?

Um richtig sanieren zu können, wird das Gebäude erst einmal im Ist-Zustand aufgenommen. Sowohl die Maße der thermischen Gebäudehülle, als auch der Schichtenaufbau der einzelnen Bauteile werden hierbei genau analysiert und registriert. Diese Daten dienen als Grundlage für die Berechnung der benötigten Energie, um das Gebäude ordentlich zu beheizen und nutzen zu können. Das ist auch die Grundlage für den bedarfsorientierten Energieausweis.
Anhand des ermittelten Wärmedurchgangskoeffizienten (u) lassen sich die Schwachstellen in der thermischen Gebäudehülle erkennen. In der EnEV ist klar geregelt, welche energetischen Mindest-Standards ein Gebäude heutzutage erfüllen muss. Aus der Differenz zwischen Ist-Zustand und dem zu erreichenden EnEV-Standard errechnet sich letztlich die erforderliche Dämmstärke. Die Stärke der Dämmung ist allerdings auch vom Dämmstoff und seiner Wärmeleitfähigkeit abhängig.
Bei Erneuerung der Gebäudehülle sind die EnEV-Vorgaben einzuhalten.
Soll die Modernisierung gefördert werden, gelten unter Umständen höhere Anforderungen als nach der EnEV.

Da die Gebäudeaufnahme und die darauf folgenden Berechnungen sehr komplex sind, empfiehlt es sich, einen Fachmann zu rate zu ziehen. Gut beraten sind sie immer mit einem entsprechenden Gebäudeenergieberater. Dieser ist für eine Förderung sowieso nötig.
Seine "Vor-Ort-Beratung" wird von der BAFA mit bis zu 250 € gefördert.

12. In welcher Reihenfolge sollte saniert werden?

Wie unter dem 2. Punkt bereits angedeutet, sollte eine gewisse Reihenfolge bei der Durchführung der Maßnahmen eingehalten werden.
Grundsätzlich ist empfohlen, dass als erstes die thermische Außenhülle dämmtechnisch aufgewertet wird.

Zur Ertüchtigung der thermischen Außenhülle gehören:
Dämmung der obersten Geschossdecke oder des Daches,
Dämmung der Kellerdecke oder des Kellerbodens,
Dämmung der Außenwände und
Erneuerung der Fenster und Außentüren.

Erst nach Beendigung dieser Maßnahmen ist es empfehlenswert, die Heizanlage überarbeiten zu lassen bzw. auszutauschen, um eine Überdimensionierung zu vermeiden. Sollte die alte Heizanlage in Betrieb bleiben, sind die vorgeschriebenen Höchstwerte, z. B. für den CO2- Ausstoß, einzuhalten.

13. Was verstehe ich unter den Nachrüstpflichten und was beinhalten sie?

Die Nachrüstpflichten für Hauseigentümer sind in der EnEV festgelegt und umfassen 3 Punkte, die ein Wohngebäude in Punkto Wärmeschutz erfüllen muss. Die Maßnahmen sollten unter bestimmten Voraussetzungen und unter Beachtung des Geltungsbereichs bis 31.12.2006 bzw. bis 31.12.2008 abgeschlossen sein.

Nachrüstpflichten sind:
Dämmung der obersten, zugängigen, nicht begehbaren Geschossdecke oder des Daches
Dämmung der Heizungs- und Warmwasserrohre in nicht beheizten Räumen
Heizkessel, die vor 1.10.1978 eingebaut wurden müssen außer Betrieb genommen werden.

14. Wann sind diese Nachrüstpflichten fällig?

Diese Pflichten sind bis 31.12.2006 zu erfüllen.
Ältere Heizanlagen, die bestimmte Grenzwerte einhalten, brauchen erst zum 31.12.2008 außer Betrieb genommen werden.

Ausnahmen: Freigestellt von allen Nachrüstpflichten sind Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die selbst darin wohnen. Erst bei Eigentümerwechsel muss der neue Eigentümer diesen Pflichten innerhalb von 2 Jahren nachkommen.

15. Welche Alternative zur bestehenden Heizanlage habe ich?

Als Heizmöglichkeit wird eine Niedrigenergie-Anlage bzw. Brennstofftechnik empfohlen. Alternativ sollte in Erwägung gezogen werden, ob nicht eine solarthermische Unterstützung zur Warmwasseraufbereitung besser noch zur Heizungsunterstützung integriert werden kann.
Auch ist bei Anlagenerneuerung zu überdenken, ob nicht sogar eine Biomasseanlage (z.B. Pellet-Heizkessel) in Frage kommt. Diese werden ebenfalls nicht unerheblich bezuschusst.
Die Heizungen der Zukunft sind "Erneuerbaren Energien".
Hierzu gehören Energien aus:
Sonne
Wind
Wasser
Biomasse
Geothermie

16. Wo erfahre ich mehr über Fördermöglichkeiten?

Gut beraten sind sie bei ausführenden Fachfirmen, Energie-Verbraucherzentralen, Gebäudeenergieberater oder auch direkt der BFAW, der KfW oder bei der Dena.